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Tagebuch einer Metamorphose

 

01_Metamorphose

 

Es war einmal eine kleine Raupe, die lebte mit ihren Artgenossen auf einem Blätterhain und verbrachte den Tag hauptsächlich damit, zu fressen. Eines Tages jedoch wurde die Raupe überdrüssig, jede Minute ihres Lebens voraussagen zu können und somit ein sicheres, jedoch auch recht langweiliges Leben zu leben. Sie machte sich auf, den Blätterhain zu verlassen und musste dafür all ihren Mut zusammen nehmen, denn sie wußte ja nicht, welche Zukunft ihr durch ihr Abenteuer beschert sein würde.

 

Am ersten Tag nach ihrem Aufbruch begegnete sie unterwegs dem Grashüpfer. Es faszinierte die Raupe, wie leicht und hoch er durch die Gegend hüpfte und sie fragte ihn, wie es komme, dass er so gut hüpfen konnte. Er meinte: „Das ist meine Bestimmung!“ und er hüpfte weiter.

 

Die Raupe war erstaunt über diese Aussage… „Meine Bestimmung…!“ hallte es in ihr nach. Und so begann sie darüber nachzudenken, was denn ihre Bestimmung sei, ohne dabei schon konkret etwas benennen zu können.

 

Auf ihrem weiteren Weg traf die Raupe eine Schnecke, die ganz ganz gemächlich des Weges kroch. Ihr Häuschen trug sie mit sich und die Fühler am Ende ihres langen Halses bewegten sich ruhig und entspannt. Die Raupe sprach die Schnecke an und fragte sie, wie sie denn damit leben könne, so langsam voran zu kommen – so viel langsamer, als die meisten anderen Wesen auf dem Weg. Die Schnecke wendete ihr ihre Fühler zu und meinte: „Das ist meine Bestimmung!“. Und wieder war die Raupe erstaunt über diese Aussage, die sie ja schon vom Grashüpfer gehört hatte.

 

„Meine Bestimmung… ja was ist meine Bestimmung?“ fragte sich die Raupe da wieder, und immer noch wußte sie keine Antwort.

 

Nach einer Weile begegnete ihr eine Möwe, die über den See geflogen kam und sich neben sie auf die Erde setzte. Sie erzählte der Raupe von den vielen Abenteuern über dem Wasser und vom anderen Ufer des Sees und die Raupe wurde neugierig. Sie wollte auch etwas Neues erleben, endlich spüren lernen, wofür sie auf der Welt war und ihrem Herzen folgen. Da fragte die Raupe, warum die Möwe so über die Seen und Wälder fliege. Die Möwe sagte: „Es ist eine Bestimmung!“ und sie folg weiter.

 

Als die Raupe diesen Satz das dritte Mal gehört hatte, wurde ihr ganz warm um’s Herz und sie wollte mehr vom Leben, sie wollte etwas verändern und ihre Bestimmung finden. So suchte sich die Raupe also einen Blätterhain auf ihrem Weg, fraß sich durch die Blätter durch, bis sie nicht mehr konnte und fiel in einen tiefen Schlaf. Irgendwann spürte sie, dass sie sich nicht mehr bewegen konnte, denn starke Fäden hatten sie umsponnen und in einen dicken Fadenmantel gehüllt. Die Raupe dachte, ihr Ende wäre gekommen und ergab sich ihrem Schicksal.

 

Doch plötzlich – nach einer gefühlten Ewigkeit – regte sich in ihr ein Gefühl des inneren Friedens, der Liebe und des Lichts. Sie nahm all ihre Kraft zusammen und wand sich aus der dunklen und engen Hülle, indem sie begann, diese aufzufressen. Sie wollte noch nicht sterben – sie wollte ihre Bestimmung finden.

 

Nach einer Weile wurde es auf einmal hell und die Sonne blinzelte in den engen Kokon hinein. Die Raupe spürte an ihrem Rücken auf einmal zwei Flügel, die sich entfalten wollten. Sie wußte nicht, wie ihr geschah, doch sie reckte sich, flatterte mit den Flügeln und: konnte zu ihrem Erstaunen fliegen!!

 

Sie flog an den nahen See, der eine spiegelglatte Oberfläche zeigte. Dort setzte sie sich nieder und erschrak. Wer war dieser wunderschöne Schmetterling, der ihr da aus dem Spiegel auf dem Wasser entgegenschaute?

 

Sie flatterte vor Aufregung mit den Flügeln und bemerkte: „Das bin ja ich?!“. Sie war ganz entzückt von ihrer Verwandlung und bekam richtig Lust, in die Welt zu fliegen und zu sehen, was das Leben noch für sie bereithielt.

 

Auf einem Felsen am Ufer saß die Möwe und winkte ihr zu. „Was für eine Verwandlung du hinter dir hast – wie wunderschön du strahlst. Ich freue mich, dass du dein Potenzial entfalten konntest… sei herzlich willkommen in unserem Kreis!“, meinte die Möwe.

 

„Aber, was hat dich dazu bewogen, dich zu verändern?“ fragte die Möwe dann ganz interessiert.

 

„Es ist meine Bestimmung!“ meinte der Schmetterling, der einmal eine Raupe gewesen war und freute sich über seine Verwandlung und das Glück der Erkenntnis, die ihn dazu gebracht hatte, sich zu verändern und zu entfalten.

 

6. Nov 2017

 

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